Die in diesem Band vereinten Beiträge widmen sich illuminierten Rechtstexten des frühen bis späten Mittelalters aus verschiedenen methodischen Perspektiven. Im Mittelalter leisteten Bilder einen entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung und Vermittlung von Rechtsnormen. Damit trugen sie zur Systematisierung und Generierung von Rechtswissen bei. Die ‘Ordnung’ des Rechts wurde im Zusammenspiel von Miniatur, ornamentaler Gestaltung und Text im Layout der Seite ausgedrückt, was aus moderner Vorstellung bildfreier Rechtstexte paradox erscheinen mag. Dieser Ordnung gehen die Beiträge am Beispiel der Entstehungskontexte und stilistischen Zusammenhänge einzelner Handschriften, der Autorisierung von Rechtstexten sowie der Art und Weise, wie Rechtswissen in Codices strukturiert und vermittelt wird, gleichermaßen nach.
Jenseits der von ihnen zur Erscheinung gebrachten Bilder und Zeichen reizen mittelalterliche Textilien die Wahrnehmung durch ihre kostbare, mal diaphane, mal schimmernde und plastische Materialität. Die hier versammelten Beiträge untersuchen Bildteppiche, Paramente und andere Textilien vom Frühmittelalter bis in die Zeit um 1500 im Hinblick auf das von ihnen entfaltete Spannungsverhältnis zwischen Bildlichkeit und spezifischer Stofflichkeit, fragen nach Semantisierungen von Textilien, medialen Austauschbeziehungen, nach Raum- und Körperbezügen und möchten damit medien- und kulturwissenschaftlich geprägte Perspektivierungen «beziehungsreicher Gewebe» anregen.