Im Muotatal, dem abgelegenen Tal von Schwyz, bleibt Anna Maria Gwerder auch nach ihrer Ehe mit dem angesehenen Bezirksvorsteher eine »Auswärtige«, obwohl sie mit ihrer einnehmenden und fröhlichen Art das Misstrauen zunächst überwinden konnte. Nach dem Tod des Mannes wird die wirtschaftlich erfolgreiche Frau mit dem »erregenden Lachen« immer argwöhnischer betrachtet. Hat sie sich nicht zu viel herausgenommen? Einen Krämerladen eröffnet, was noch niemand gewagt hat, und schon gar keine Frau. Soldaten bewirtet und dafür junge Mädchen aus dem Tal eingestellt. Handel getrieben. Ihre Tüchtigkeit wird ihr zum Verhängnis. Aus der Fremden wird bald etwas Böse, eine Hexe. Im Jahr 1753 stirbt Anna Maria Gwerder im Gefängnis von Schwyz an den Folgen der Folter, noch bevor sie als Hexe verurteilt wurde. Margrit Schriber erzählt das Schicksal der Anna Maria Gwerder in seiner erschreckend zwingenden Logik im Denken der damaligen Zeit.
Julia Pastrana ist eine »Affenfrau«. Der geschäftstüchtige Manager Theodor Lent vermarktet ihre »Hässlichkeit« in seinen »Freakshows« und zerrt sie, die die Demütigungen still erträgt, ins Licht der Öffentlichkeit. Der Schausteller schreckt vor nichts zurück, damit seine Geldquelle munter weiter sprudelt, kauft die makellose Tänzerin Rosie La Belle, um seine Hauptattraktion Julia noch schauerlicher darzustellen. Doch die »hässlichste Frau der Welt« und die jugendliche Schönheit werden Vertraute, Freundinnen, teilen sie doch das gleiche traurige Los.Margrit Schriber erzählt einfühlsam und anschaulich von einer als Sensation missbrauchten »Tierfrau«, von Andersartigkeit, Ausbeutung und Abhängigkeit und zeichnet ein atmosphärisch dichtes Bild der Schausteller- und Künstlerwelt Mitte des 19. Jahrhunderts.