Verantwortungszuschreibungen im Strafrecht zeichnen sich durch ein besonderes Interesse an inneren Einstellungen und Zuständen aus. Zugleich ist seit einiger Zeit eine Entwicklung bemerkbar, die dieses Interesse zunehmend in Zweifel zieht und die Zurechnung stärker objektivieren möchte. Aus diesem Spannungsverhältnis ergibt sich die Frage nach der Zukunft subjektiver Zurechnung. Der vorliegende Band greift diese Frage auf und diskutiert sie juristisch und interdisziplinär.
Im Zentrum dieses Bandes steht das grundlegende Verhaltnis von Individuen und Recht. Zum einen werden die Bedurfnisse und Befahigungen im Recht fokussiert: Der Mensch interpretiert sich selbst. Er behauptet und reflektiert Befahigungen und Bedurfnisse, die ihn auszeichnen. Inwiefern erwachsen daraus Anforderungen an das Recht? Untersucht wird hier, welche Chancen und Hurden sich aus dieser Warte fur die Konzepte von Person, Reprasentation und interpersonaler sowie institutioneller Anerkennung ergeben. Zum anderen wird Recht als normativ gehaltvolle soziale Institution beleuchtet. Aus dieser Perspektive werden insbesondere die Begrundungs- und Geltungslogiken von Recht als sinnstiftender und handlungsanleitender Institution in den Blick genommen. Von besonderem Interesse ist hierbei das wechselseitige Verhaltnis der Hervorbringung von Recht als Institution und der gleichzeitigen handlungsanleitenden Wirkung derselben auf die Individuen. Der Band gibt Raum, um fundamentale Fragen offen und aus verschiedenen innerfachlichen wie interdisziplinaren Perspektiven zu diskutieren.
Del 79 - Schriften zum Internationalen und Europäischen Strafrecht
Vom 28. bis 30. März 2019 befasste sich das an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hamburg und an der Bucerius Law School abgehaltene 7. Symposium des Jungen Strafrechts mit dem Querschnittsthema "Verletzte im Strafrecht". Die Spanne der nun vorliegenden Tagungsbeiträge reicht von einer grundlegenden Untersuchung der strafrechtsdogmatischen Stellung des Verletzen über Fragen aus dem allgemeinen Teil des Strafrechts, etwa das Verhältnis von subjektiven Tätervorstellungen und objektivem Opferschutz bei Rücktritt und tätiger Reue betreffend, bis hin zu prozessrechtlichen Themen wie zum Beispiel der Opferbeteiligung bei Verfahren vor dem Internationalen Strafgerichtshof, der Akteneinsicht des Verletzten sowie der Beteiligung des Verletzten bei den praktisch so bedeutsamen verfahrensbeendenden Absprachen. Zudem hat Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jan Philipp Reemtsma dem Band seinen auf dem Symposium gehaltenen Eröffnungsvortrag zum Thema "Täterstrafrecht und der Anspruch des Opfers auf Beachtung" beigegeben.Mit Beiträgen vonDr. Oliver Harry Gerson, Dr. Philipp-Alexander Hirsch, Dr. Amina Hoppe, Dr. Constantin Lauterwein, Dr. Gurgen Petrossian, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Jan Philipp Reemtsma, Dr. Felix Ruppert, Pauline Schmitt, Dr. Lukas Staffler, Dr. Georgia Stefanopoulou