"Ich glaube an den Menschen" – dieses Wort des Theologen und Philosophen Romano Guardini ist heute, wenn in Europa wieder Krieg geführt und die Existenz ganzer Völker und Staaten in Frage gestellt wird, aktueller und provokanter denn je. Nicht nur der Glaube an Gott, sondern der Glaube des Menschen an sich selbst und das Vertrauen auf sein Gegenüber nimmt ab, was nicht zuletzt der kirchlichpolitischen Situation sowohl im Westen als auch im Osten geschuldet ist. Aber Guardini sagt auch: "Nur wer Gott kennt, kennt den Menschen". Der Glaube an Gott hat nicht nur seinen intrinsischen Wert, sondern er ist auch für vertrauensvolle zwischenmenschliche Beziehungen unabdingbar. Im Spannungsverhältnis dieser zwei Zitate entstanden die Beiträge dieses Bandes zu den fundamentaltheologischen Themen Gott, Christentum, Kirche, Ökumene, Spiritualität.
Die "Personalismus" genannte Bewegung hatte ihre Hochzeit in den 1930er- bis 1950er-Jahren vor allem in französischsprachigen Ländern. Ursprünglich in einem christlichen Kontext entwickelt, wurde der Personalismus auch unter Muslimen rezipiert. Exemplarisch wird daher anhand der Entwürfe führender Vertreter eines Personalismus aus christlicher bzw. aus muslimischer Inspiration dargelegt, wie beide ihre jeweiligen religiösen Ressourcen zur Artikulation des Person-Seins einbringen. Für den französischen Philosophen Emmanuel Mounier (1905–1950) wie für den Begründer der modernen marokkanischen Universitätsphilosophie, Mohamed Aziz Lahbabi (1923– 1993), stellt sich im Kontext der Moderne auch die Frage nach dem institutionellen Rahmen des Person-Seins, die sich in den letzten Jahren vor allem in der Debatte über die Staatsbürgerschaft konkretisiert hat.