Del 41 - Hamburger Beitraege Zur Germanistik
Die Krise Des Helden
Die Ich-Stoerung Im Erzaehlwerk Von Leo Perutz
Häftad, Tyska, 2004
631 kr
Tillfälligt slut
Bei Leo Perutz stossen wir auf zahlreiche Romanfiguren, deren Ich in Bedrängnis ist. Auf diese Weise reagiert er literarisch auf die zeitgenössische Krise des Ich. Umstritten ist, ob das Ich tatsächlich ein unteilbares, kontinuierliches Ganzes mit exakten Grenzen ist, das sich durch ein Dasein auszeichnet. Zwei Haltungen stehen sich unversöhnlich gegenüber: eine genetisch-pragmatische (Menschen bilden mittels Erfahrung aus Eindrücken ein Gewohnheits-Ich) und eine metaphysische Position (Ich ist von Gott unmittelbar und organisiert gestiftet). In Perutz’ Romanen finden wir beide Haltungen sowie Zwischenstufen schriftstellerisch verarbeitet, darüber hinaus eine auffällige Berücksichtigung des pathologischen Schrifttums. Bereits die erzählerische Konstruktion ist von der Psychologie mitbestimmt: Um die Brüchigkeit des Ich-Bewusstseins seiner Figuren zu zeigen, bedient sich Perutz auch narrativer Techniken, insbesondere unzuverlässiger Erzähler.