Leveke von Münchhausen erlebt während des Dreißigjährigen Krieges als Lehrschülerin im evangelischen Stift Fischbeck die Besetzung des Stifts durch kaiserliche Truppen. Sie flieht auf den Erbhof ihrer Familie in (Hess.) Oldendorf, wo sie die Verantwortung für die Haushaltung übernimmt und wiederholt von plündernden Söldnern bedroht wird. Eine erste Eheschließung endet in einer frühen Witwenschaft und prekären Verhältnissen. Ihre zweite Ehe mit dem lippischen Landdrosten Hans Adam von Hammerstein macht sie zur Stammmutter aller Linien von Hammerstein. Mit dieser Biografie zeichnet Renate Oldermann nicht nur ein lebhaftes Bild der Welt der niedersächsischen Adelsfamilien des 17. Jahrhunderts. Auf der Grundlage von Chroniken und Briefen dokumentiert die Autorin ebenso das Leben einer Frau, deren frühneuzeitliche Lebenswelt durch Herkunft, Erziehung und Frömmigkeit geprägt ist, die jedoch in der Konfrontation mit Notlagen und in der Durchsetzung persönlicher Wünsche ein eigenes Profil gewinnt.
Zwei junge Frauen aus dem evangelischen Damenstift Fischbeck an der Weser reisen 1719 nach Halle an der Saale, um den berühmten Theologieprofessor August Hermann Francke zu treffen, dessen Manifest für eine verinnerlichte Religiosität bei gleichzeitigem Engagement für Bildung und Erziehung auf landesweite Zustimmung gestoßen ist. Johanna Magdalena von Bismarck und ihre Freundin Anna Louise von Münchhausen bleiben ein Jahr in Halle und wiederholen ihre Besuche in den folgenden Jahren vier Mal. Sie werden Teil einer Gemeinschaft, die sich zu Gebet und Bibellektüre zusammenfindet und es sich zum Ziel gesetzt hat, dem Glauben auch Taten folgen zu lassen. In Fischbeck engagieren sie sich für die Schulbildung von Waisenkindern und für die Unterstützung in Not geratener verwitweter Frauen. Bisher unveröffentlichte Briefe und Aufzeichnungen geben Einblick in die gelebte Frömmigkeit und das Schicksal der Schwestern von Bismarck.