Religiöse Identitäten sind nie unschuldig, sie werden in einem machtbesetzten Diskurs gegenüber anderen religiösen Traditionen ausgehandelt und konstruiert. Diese Einsicht aus den postkolonialen Theorien greift der vorliegende innovative Ansatz einer Religionstheologie auf, um die Ekklesiologie als erkenntnistheoretisches Konzept zurück in die Religionstheologie zu holen: Die Kirche ist der Ort, an dem Fragen der christlichen Identität im Gegenüber zu anderen Identäten diskursiv ausgehandelt werden. Angesichts einer problematischen Schuldgeschichte der Kirchen können ekklesiologische - als identitätspolitische und erkenntnistheoretische - Fragen helfen, das Verhältnis der Kirchen zu anderen religiösen Traditionen konstruktiv-kritisch in den Blick zu nehmen.
Migrations are contested sites of identity negotiations: they are not simply a process of border crossings but more so of border shiftings. Rather than allowing migrants to swiftly move across stable borders from one clearly defined identity to another, migrations question and renegotiate these very identities. Migrations undermine and re-establish borders along which the identity of migrants (and also that of the supposedly settled population) are constituted, and, as a discourse, migrations serve as a contested site of negotiating identities. Migrations reveal the negotiable character of identities - and representations of migration are themselves a hotspot in contemporary identity constructions.What can theology contribute to the negotiations on migration? The contributions of this volume work towards a reading of migration as a sign of the times. Together, they offer "steps towards a theology of migration." They show that migration calls for a new way of doing. A theology that is exposed to migration as a sign of the times is drwan into the shifting, unsettling, and undermining of borders. This has impact not only on the discourse of migration, but also on the discourse of theology: it calls theology to move away from its search for well-established definitions (literally: borders) of its God-talk and to venture into new, uncharted territory. It loses its fixed, clearly defined grounds and finds itself on the way toward a renegotiation of what it means to believe in, celebrate, and reflect on YHWH - on God who is with us on the way.
Im Spannungsfeld zwischen Wiederkehr der Religionen (Fundamentalismus) und Auflösung der Religionen (Säkularisierung) setzen sich die Beiträge dieses Sammelbandes mit der vielfältigen und teilweise auch widersprüchlichen Präsenz von Religion(en) in der westlichen Gesellschaft auseinander. Im Hintergrund dieser interdisziplinären Analyse steht der Begriff des Postsäkularen von Jürgen Habermas, der eine bleibend säkulare Lebenseinstellung mit einer ausgeprägten Lern- und Dialogbereitschaft Religion(en) gegenüber verbindet. Religion, so zeigt sich, ist ein nach wie vor entscheidender Faktor des gesellschaftlichen Lebens, auch wenn sich ihre Realität verändert hat und deshalb auch der Diskurs über Religion(en) neu ansetzen muss. WissenschaftlerInnen der Universität Salzburg haben sich anlässlich einer Tagung des Zentrums Theologie Interkulturell und Studium der Religionen der Universität Salzburg mit der Realität des Religiösen auseinandergesetzt und zeigen die enorme Vielfalt und auch Disparität religiöser Entwicklungen in aktuellen gesellschaftlichen Zusammenhängen auf.