Petra von Gemünden hat in ihrer theologischen Arbeit wichtige Wegmarken für die Erforschung und Beschreibung von Emotionen in der neutestamentlichen Wissenschaft gesetzt. Die Artikel in dieser Festschrift führen ihre wichtigen Impulse weiter und widmen sich Emotionen in Texten und Themen der Hebräischen Bibel (Gen 2,4b–3; Jer 15*; 17*; 20*), der frühjüdischen Literatur (4Makk und Philo) des Neuen Testaments (Jesu Rede von der Liebe Gottes; Furcht in Mk 4,35–41 und 14,32–42; Emotionen im Kontext von Saat und Ernte), sowie in religionspsychologischen (Angst in der Gottesbeziehung) und systematisch-theologischen Kontexten (Rudolf Otto; Glaube als Vertrauen). Die Autor:innen sind theologische Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, Kolleginnen und Kollegen sowie Schüler:innen von Petra von Gemünden, die mit ihren Beiträgen eine herausragende Theologin die Ehre geben möchten.
Wie kann man aus einer Minderheitenposition heraus Identität stiften und Einfluss nehmen? Die Untersuchung von Theresa Ullmann verbindet sozialpsychologische Theorie mit biblischer Exegese und untersucht den Galaterbrief als Zeugnis paulinischer Identitätskonstruktion. Im Zentrum steht die Frage, wie Paulus seine eigene Position und die seiner Gemeinden theologisch und sozialpsychologisch legitimiert. Der Blick richtet sich dabei auf Themen wie Gruppenzugehörigkeit, Fremd- und Selbstwahrnehmung sowie auf Strategien des Minderheiteneinflusses. Der Galaterbrief erweist sich so nicht als rein theologisches, sondern auch als kommunikatives Dokument – mit aktuellen Einsichten zur Dynamik von Identität, Gemeinschaft und Überzeugungskraft.