Berlin, Anfang der Dreißigerjahre. Erich Kästner befindet sich auf dem Höhepunkt seines Erfolgs: «Pünktchen und Anton» und «Das fliegende Klassenzimmer» begeistern international, «Emil und die Detektive» wird 1931 verfilmt (Drehbuch Billy Wilder). Dann die Zäsur: Als die Nazis die Macht übernehmen, entscheidet sich Kästner, in Deutschland zu bleiben. Er, der kurz zuvor noch ein Spottgedicht auf Hitler verfasst hat, muss vor Ort mitverfolgen, wie seine Bücher verbrannt werden; bald darauf erhält er Publikationsverbot. Und doch gelingt es ihm, über die Runden zu kommen, und das nicht einmal schlecht. Er schreibt unter Pseudonymen, übernimmt Auftragsarbeiten, zuletzt auch für die Ufa, die längst von Goebbels politisch instrumentalisiert wird. All das wirft Fragen auf: Wie weit passte Kästner sich im Dritten Reich an, wo bekannte er Farbe? Wie schmal war der Grat, auf dem er wandelte?Tobias Lehmkuhl beleuchtet dieses Kapitel im Leben des großen deutschen Erfolgsautors. Wir begleiten Kästner bei seinen Streifzügen durch die Stadt, folgen seinem publizistischen Maskenspiel – und lernen dabei den Moralisten, Verseschmied und Schöpfer zeitlos-populärer Kinderbücher und Romane noch einmal neu und anders kennen.
Als Ereignis gilt Irmgard Keun, als sie 1931 die literarische Buhne betritt. Mit Mitte zwanzig wird sie uber Nacht zum Star, schafft mit Gilgi - eine von uns oder Das kunstseidene Madchen unvergessliche Frauenfiguren - doch dann ubernehmen die Nazis die Macht. Keun emigriert nach Amsterdam, fuhrt im Exil eine sturmische Beziehung mit Joseph Roth, pflegt Freundschaften mit Heinrich Mann und Stefan Zweig. 1940 kehrt sie ratselhafterweise zuruck nach Deutschland, tauscht Exil gegen Perspektivlosigkeit. Nach dem Krieg portratiert sie ihre Zeitgenossen mit ungebrochenem Witz und Scharfblick, ist befreundet mit Heinrich Boll - und kann als Autorin, uberschattet von personlichen Tragodien, doch nicht wieder richtig Fu fassen. Jede der Staatsformen, in denen Irmgard Keun lebte, hat sie auf unvergleichliche Weise festgehalten: In ihrem Leben und Werk spiegeln sich die furiosen Zwanziger, die NS-Zeit, die BRD; Ruhm und Vergessen bis sie ihre spate Wiederentdeckung in der Bundesrepublik erleben durfte. Was fur eine Geschichte die einer Ikone! Erzahlerisch mitrei end entfaltet Tobias Lehmkuhl Irmgard Keuns Biografie erstmals in ihrer ganzen Buntheit.
Nico, eine Ikone der Pop-Kultur – und für so viele ein Rätsel: Federico Fellini, der sie in «La Dolce Vita» sich selbst spielen ließ; Andy Warhol, der sie für seine Factory entdeckte; Lou Reed, in dessen legendärer Band The Velvet Underground sie roh und zart zugleich «I''ll be your mirror» sang. Wo kam diese Frau her? – Als Mädchen spielt Christa Päffgen in den Trümmern der zerstörten deutschen Hauptstadt, als Jugendliche streunt sie durch das wiedereröffnete KaDeWe, wo sie ein Modefotograf entdeckt, der sie als «Nico» zum ersten Supermodel des einsetzenden Wirtschaftswunders macht. In Paris saugt Nico die existenzialistische Atmosphäre in sich auf, in New York wird sie Teil einer Bewegung, die unter dem Banner «Pop-Art» die Kunst neu erfindet. Ihr düsteres Charisma schlägt alle in den Bann, zeigt aber auch innere Abgründe. Und bald verkörpert Nico einen nie dagewesenen, ganz eigenen Stil, der aus den Nachtseiten des Daseins seine Energie bezieht.Tobias Lehmkuhl erzählt das Leben einer Ausnahmekünstlerin, das zwei Weltteile umfasst und fünfzig Jahre, in denen sich kulturell alles geändert hat: vom zerstörten Nachkriegsdeutschland über die Pariser Boheme bis zur glamourösen New Yorker Avantgarde. Eine rasante Biographie – und das einfühlsame Porträt einer faszinierenden Frau.
Wer hierherkommt, hat die Heimatgeschichten von Siegfried Lenz und Arno Surminski im Gepäck und wähnt sich selig in einer untergegangenen Welt: Eichenalleen, Burgen, Ruinenromantik, elegische Seenlandschaften – Masuren, diese Region im Norden Polens, einst Teil Ostpreußens, das ist nicht zuletzt ein Sehnsuchtsort der Deutschen. Was aber steckt hinter der Idylle? Um das herauszufinden, hat Tobias Lehmkuhl einen Sommer in Masuren verbracht. Er begegnet stoischen Anglern, wehmütigen Heimattouristen und trinkfreudiger Dorfjugend; er lässt sich den Wind der tausend Seen um die Nase wehen, wandelt durch endlose Nadelwälder und flüchtet vor sintflutartigen Gewittern; und überall stolpert er über Spuren deutscher Geschichte: von dem verfallenen Gutsschloss der Familie Lehndorff und den Schlachtfeldern bei Tannenberg bis zur Wolfsschanze, dem einstigen «Führerhauptquartier», wo er eine unruhige Nacht verbringt.Tobias Lehmkuhl erlebt ein zerrissenes, wunderschönes Land im Schatten der Geschichte, das noch dabei ist, seinen Platz im heutigen Polen zu finden. Ein glänzend erzähltes Reisebuch – und ein frischer Blick auf einen mythischen Ort, der nichts von seinem Zauber eingebüßt hat.