Arbeitsfeld der Untersuchung ist die in der Literaturwissenschaft immer wieder statuierte oder stillschweigend akzeptierte ‚Romanlücke‘ in der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts, etwa vom Ende des Barockromans bis zum Erscheinen von Wielands „Agathon“ dauernd, von wenigen Ausnahmen wie Schnabel und Gellert noch akzentuiert. Nach einem eingehenden geschichts-, sozial- und kulturphilosophischen sowie literaturgeschichtlich kritischen Vorbericht folgt die Analyse ausgewählter deutscher Original-Romane zwischen 1740 und 1790 aus literaturtheoretischer, literaturwissenschaftlicher, sozial- und kulturwissenschaftlicher Perspektive mit derselben Eindringlichkeit, die man sonst den klassischen Werken des Kanons zu widmen pflegt. Sie richtet so den Blick auf die Landschaften der „wässerigen, weitschweifigen, nullen Epoche“, um gewahr werden zu lassen, dass dort nicht „alles unter einander ins Flache gezogen ward“ (Goethe).
Seinen letzten Gedichtband Abgewandt Zugewandt von 1985 eröffnet der Luzerner Autor Kuno Raeber (1922–1992) mit einem fünfteiligen Zyklus mit dem vieldeutigen Titel Beschwörung. Wolfram Malte Fues und Walter Morgenthaler tauschen sich zu Raebers hundertstem Geburtstag in einem offenen Disput über die Texte aus, die sich jeder einfachen Deutung verweigern, und über deren provokante Zusammenführung zu einem eigenständigen Zyklus. Das Buch präsentiert zugleich erstmals eine integrale Edition der nachgelassenen Manuskriptfassung, die fast 30 Gedichte beinhaltet. Zusätzlich ediert und konträr diskutiert wird ein nur in Raebers Notizbuch überlieferter zweiter Beschwörungs-Zyklus. In einer Beigabe berichtet Markus Hediger über seine denkwürdige Begegnung mit dem eigenwilligen Autor.
Unsere Zeit ist nicht mehr die Zeit der grossen Theorien. Eine Vielzahl von kleinen Theorien bezieht sich heute auf viele Ausschnitte der Wirklichkeit. Gleichzeitig findet sich das Erbe der europäischen Aufklärung von seiner eigenen wissenschaftlich-technischen, ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Konsequenz so bedroht wie nie zuvor. Deshalb ist es an der Zeit, sich an die grossen Theorien zu erinnern, denen dieses Erbe sein Dasein verdankt. Nur die Aufklärung selbst kann mit ihren Kräften der Vernunft das Unheil abwenden, dessen Ursache sie selbst ist. Damit das gelingt, müssen wir uns diejenige Form von Lebensentwurf und Lebensaufgabe der Moderne wieder vergegenwärtigen, die sich zum Subjekt und Botschafter jener grossen Theorien macht: die Figur des universellen Intellektuellen. Wie war der Grundriss dieser Figur und wer hat ihn wie und weshalb gezeichnet? Wie hat er sich verändert? Existiert die Figur bis heute oder ist sie inzwischen Vergangenheit? Und wenn sie das ist: Lässt sie sich vielleicht wieder in die Gegenwart einzeichnen?
Martin Walsers «Pauskirche-Rede» sowie sein Roman Tod eines Kritikers geraten immer wieder neu unter den Verdacht des Antisemitismus. Wolfram Malte Fues unterzieht beide Texte einer genauen philologischen Analyse und arbeitet die Rezeption auf, die zu dem obigen Verdacht geführt hat. Im Resultat wird deutlich, worum es beiden Texten eigentlich geht. Zugleich wird die Frage der «Erinnerungskultur» neu aufgerollt, und die Stimme eines in Auschwitz Ermordeten kommt diesbezüglich zu Gehör.