Dieses Buch besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil umfasst einen wissenschaftlichen Bericht zur Aufarbeitung von sexualisierter, korperlicher und psychischer Gewalt in einer padagogischen Institution. Im zweiten Teil wird ausfuhrlich beschrieben, welche Schlusse die betroffene Institution aus den Vorfallen in ihrer Vergangenheit zieht. Dabei wird zum einen auf konkrete Empfehlungen aus dem Forschungsbericht eingegangen, zum anderen werden institutionelle Manahmen beschrieben, die der Weiterentwicklung gewaltpraventiver Strukturen dienen. Das Buch bietet daher modellhafte Anregungen sowohl fur die Aufarbeitung von Gewalt als auch fur die Gewaltpravention in der stationaren Kinder- und Jugendhilfe. Die Aufarbeitungsstudie bezieht sich auf die 1980er und 1990er Jahre, also die Zeit des Ubergangs von der traditionellen, gewaltaffinen Heimerziehung in eine moderne stationare Kinder- und Jugendhilfe. Dabei zeigt sich, dass auch ein ambitionierte, machtkritische Padagogik anfallig fur Gewaltanwendung ist, wenn strukturelle Rahmenbedingungen Uberforderung und unreflektiertes Handeln befordern. Als Risikofaktoren werden u.a. okonomischer Druck, die Position des Heimleiters, mangelnde Kontrollmechanismen und fehlende Kenntnisse zum Umgang mit Trauma und sexualisierter Gewalt herausgearbeitet. Die Ubertragung der Erkenntnisse aus der Aufarbeitungsstudie auf die aktuelle padagogische Praxis in der betroffenen Institution zeigt, dass viele der damals wirksamen Risikofaktoren nach wie vor in Betracht gezogen werden mussen - insbesondere mit Blick auf die markwirtschaftliche Organisation sozialer Dienstleistungen.