Augen auf fur blinde FleckenUnsere Gegenwart steht unter Strom. Krisen schieben sich ineinander, Bilder jagen sich, Emporung sucht sofort ein Ziel. Kaum ist etwas wahrgenommen, wird es schon bewertet: richtig oder falsch, dafu r oder dagegen. Dabei geht etwas verloren, das politisch ist, bevor es u berhaupt Meinung wird: die Art, wie wir schauen. Wer nicht mehr schaut, sondern nur noch reagiert, sieht keine Menschen mehr. Er sieht Positionen, Rollen, Gegner. Autoritarismus beginnt nicht erst in Programmen oder Parolen. Er beginnt im Blick: wenn Wahrnehmung sich verengt, wenn Ambivalenz nicht mehr ausgehalten wird, wenn schnelle Eindeutigkeit korperlich entlastet. Genau hier setzt dieses Buch an. Es geht nicht darum, noch mehr zu erklaren, sondern darum, anders wahrzunehmen. Genau schauen hei t, langsamer zu werden, ohne passiv zu werden. Es hei t, zu spu ren, bevor man urteilt, sich irritieren zu lassen, statt sofort zu sortieren. Erst in dieser Form von Aufmerksamkeit wird sichtbar, wie autoritare Dynamiken entstehen nicht durch Argumente, sondern durch Resonanz: durch Ansteckung, durch Erregung, durch das Bedu rfnis nach Halt. Wer das erkennt, sieht politische Prozesse anders und sich selbst auch. Dieses Buch richtet sich an Menschen, die nicht nur verstehen wollen, was geschieht, sondern wie es geschieht und welche Rolle ihr eigener Blick dabei spielt. Der Autor:Ulrich Sollmann,Dipl. rer. soc; Ausbildung in Gestaltpsychotherapie sowie Bionenergetischer Analyse, Weiterbildung in systemischer Beratung; Coach und Berater in Wirtschaft und Politik; Praxis fur Korperpsychotherapie in Bochum; Lehrbeauftragter; Guest Professor an der Shanghai University of Political Science and Law (SHUPL).