Bernhard Rothmann brachte die reformatorische Lehre in den 1530er Jahren nach Münster. Diese Stadt blieb jedoch nur kurze Zeit reformatorisch, denn der wachsende Einfluss der Täufer und die Unterstützung dieser Gruppe durch Rothmann führte zur Münsteraner Täuferherrschaft, als deren theologischer Kopf Rothmann fungierte. Die umfassende Analyse seiner wortgewaltigen Schriften und Briefe zeichnet seine theologische Entwicklung nach und belegt sein eigenständiges theologisches Denken. In der Darstellung seines Ringens um die Wahrheit werden seine theologische Schärfe und sein allmählicher theologischer Wandel deutlich. Erstmals werden die verschiedenen Auflagen seiner Schriften ausgewertet und einige neue überraschende Erkenntnisse zu seiner Biographie entdeckt.[The Theological Development of Bernhard Rothmann. A Contribution to the History of the Reformation in Münster]Bernhard Rothmann brought the Reformation teachings to Münster in the 1530s. However, this city remained reformatory for only a short time, because the growing influence of the Anabaptists and Rothmann''s support of this group led to the Anabaptist rule of Münster, with Rothmann acting as its theological head. A comprehensive analysis of his eloquent writings and letters traces his theological development and demonstrates his independent theological thinking. The account of his struggle for truth reveals his theological sharpness and gradual theological change. For the first time, the various editions of his writings are evaluated and some surprising new insights into his biography are discovered.
Im Zeitalter der Aufklärung stellte die kirchliche Predigt das zentrale Medium dar, in dem theologische Reflexion vermittelt und in religiöse Lebenspraxis transformiert worden ist. Johann Joachim Spalding (1714-1804) war der wirkmächtigste lutherische Kanzelredner der als 'Neologie' bezeichneten Kulminationsphase der religiösen Aufklärung. Der zweite Band seiner "Neue[n] Predigten" (1784), den er im Alter von 70 Jahren veröffentlichte, bietet eine aus Festpredigten, ausgewählten Kanzelreden und populartheologischen Essays harmonisch gefügte Anthologie. In der vorliegenden Kritischen Edition, die durch eingehende Erläuterungen sowie ausführliche Personen-, Bibelstellen-, Orts- und Sachregister leserfreundlich erschlossen ist, läßt sich auch heute noch die glückliche Verbindung von Frömmigkeit und Modernität nachvollziehen, die ihrem Verfasser einst weit über Deutschland hinaus einen Namen gemacht hat.
Der vorliegende, kritisch edierte Band präsentiert eine Facette des Kanzelredners Johann Joachim Spalding (1714-1804), die bislang selten im Fokus der wissenschaftlichen Betrachtung stand. Er enthält Trauerpredigten, Erbauungsschriften und weitere Predigten bey außerordentlichen Fällen, unter denen sich auch Spaldings Barthische Abschiedspredigt sowie seine Berliner Antrittspredigt finden. Somit wird ein intimer Einblick in das vielfältige Predigtwerk des Berliner Neologen ermöglicht. Der Zeitraum der hier dargebotenen Predigten umfaßt mehr als ein Jahrzehnt des pfarramtlichen Wirkens Spaldings (1764-1775), und jede Kanzelrede für sich wirft ein bezeichnendes Schlaglicht auf die theologischen, historischen und mentalitätsgeschichtlichen Fragestellungen, die Spalding und seine Hörer bewegt haben. Die ausführlichen Personen-, Bibelstellen- und Sachregister ermöglichen dem Leser ein schnelles Auffinden zentraler Schlagwörter und Wendungen und zeigen den sprachlichen Reichtum Spaldings.