Die Zwischenkriegszeit war von tiefgreifenden Veränderungen aller Lebensbereiche geprägt; kulturelle, politische, religiöse und gesellschaftliche Werte und Normen wurden neu verhandelt. Als Reaktion auf die als krisenhaft empfundene Modernisierung ist die Suche nach einem «Neuen Menschen» zu sehen. An dieser utopischen Figur lassen sich Wünsche, Hoffnungen und Ziele dieser Epoche ablesen. Sie ist gleichsam ein Schlüssel zu den mannigfaltigen Zukunftsentwürfen gesellschaftlicher Gruppen, beziehungsweise intellektueller, kultureller und politischer Eliten in Europa. Junge Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachrichtungen beleuchten in diesem Band die Figur des «Neuen Menschen» aus verschiedenen Blickwinkeln. Nicht zuletzt durch ihre Interdisziplinarität eröffnen die Beiträge neue Forschungsperspektiven für das vielgebrauchte, aber bislang nur unzureichend erfasste Schlagwort «Neuer Mensch».
Diese Arbeit stellt die Aktdarstellung in der Neuen Sachlichkeit erstmals umfassend dar und analysiert mit form-ikonographischen Methoden, aber auch unter kulturhistorischen Fragestellungen, zehn zentrale Motivgruppen: Lustmord, Prostitution, der tätowierte Körper, Homosexualität und Sport prägen als innovative, skandalträchtige Themen den neusachlichen Akt in der ersten Hälfte der 1920er Jahre. Die zweite Hälfte des Jahrzehnts bleibt den eher traditionellen Sujets Maler und Modell beziehungsweise Akt im Atelier, Selbstakt, Bade- und Toilettenszene, Vanitasallegorie und dem liegenden Akt vorbehalten. Auch in den zeitbezogenen Aktthemen illustrieren die untersuchten Künstler allerdings nicht die Zeitumstände in der Weimarer Republik, sondern beschäftigen sich mit der eigenen künstlerischen Stellung innerhalb der Moderne.