Männer, die Täter - Frauen, die Opfer – beschreibt diese geschlechterpolarisierende Gegenüberstellung angemessen die Realität eines so komplexen sozialen Phänomens wie es Gewalthandeln darstellt? Auf Basis der Daten der im Auftrag der evangelischen und katholischen Männerarbeit durchgeführten und im Jahr 2009 vorgelegten Männerstudie „Männer in Bewegung“ (1470 befragte Männer und 970 befragte Frauen) wird diesen und weiteren Hypothesen der Frauen- und Männerforschung zum Zusammenhang von Geschlecht, Geschlechtsidentität und Gewalt nachgegangen. Dazu wird das Gewalthandeln von und gegen Männer entlang unterschiedlicher sozio-demografischer und biografischer Merkmale (u.a. Alter, Bildungsmilieu, Kindheits- und Vatererfahrung) sowie entlang unterschiedlicher Einstellungs-Variablen (u.a. Gewaltakzeptanz, Religiosität) analysiert. Auf diese Befunde aufbauend werden Ansätze einer gewaltpräventiven Männerarbeit entwickelt.
Im Zuge der Erweiterung der Frauenforschung zur Geschlechterforschung gewinnt die Frage nach den Konstitutions- und Reproduktionsbedingungen von Männlichkeit zunehmend an Bedeutung. Der Band versammelt Beiträge aus der soziologischen und politikwissenschaftlichen Geschlechterforschung, welche die geschlechtliche Dimension des Handelns von Männern in zentralen Bereichen der sozialen Welt (Politik, Familie, Beruf u.a.) zum Gegenstand haben und den lebensweltlichen und sozialstrukturellen Hintergrund dieses Handelns thematisieren (homosoziale Gemeinschaften, Milieuzugehörigkeit, ethnischer Hintergrund u. a.).
Noch am Beginn des 21. Jahrhunderts orientieren sich Politiktheorie, Politikanalyse und Politische Ethik überwiegend an Gesellschafts- und Politikmodellen, die in den Denktraditionen von Newton und Descartes verhaftet sind. Dies hat unter anderem zur Folge, dass politisches Handeln linear konzipiert, politische Prozesse ohne lebendige Menschen gedacht, der politische Raum außerhalb natürlicher Kreisläufe verortet wird. Das dualistisch-mechanistische Weltbild löst sich jedoch seit Jahren zugunsten einer ganzheitlicheren Weltsicht auf. Vor diesem Hintergrund werden in der Studie Politiktheorie, Politikanalyse und Politische Ethik im Lichte der Befunde von Quantenphysik, Neuro- und Evolutionsbiologie in einem nichtdualen Ansatz neu justiert.