Sind Menschenbild und gesellschaftliches Projekt der Linken überhaupt noch zeitgemäß – ein Ideal, nach dem alle streben sollen und das als Erziehungsvorbild dienen soll? Peter Singer plädiert leidenschaftlich für ein modernes, flexibles, an evolutionären Möglichkeiten orientiertes Verständnis vom Menschen. Die Linke muss Menschen als sich entwickelnde Wesen verstehen, die dabei nicht nur durch Egoismus und Konkurrenz bestimmt sind, sondern auch von (wohlverstandenem) Altruismus und Empathie. Sie muss gerade diese Qualitäten unterstützen – nur dann wird sie wieder akzeptiert werden können als Verfechterin von Solidarität, Kooperation und Gerechtigkeit. Ein Plädoyer zur rechten Zeit.
Können wir wichtige Lebensentscheidungen rational treffen, obwohl wir die Zukunft nicht kennen? Die Philosophin L. A. Paul meint: Nein, denn wenn unsere Prognosen und Vorstellungen auf unbekannten Faktoren und deren Folgen basieren, sind sie nicht rational, können es auch gar nicht sein. Am Beispiel der Frage, ob man Kinder bekommen solle, entwickelt sie den Begriff der »transformativen Erfahrung«. Um eine bessere Entscheidung zu treffen, folgert sie, solle man sich nicht fragen: »Soll ich oder soll ich nicht?«, sondern: »Will ich herausfinden, wie mich eine Entscheidung verändert?«
Wie kann ich mich rational dafür entscheiden, eine Erfahrung zu machen, die mich auf ungeahnte Weise verändern könnte? Eine Erfahrung, die ganz anders ist als alle Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe? In dieser Situation sind alle, die sich fragen, ob sie Kinder bekommen, psychedelische Substanzen probieren, oder sich als Gehörlose für ein Cochlea-Implantat entscheiden sollten. Bei näherem Hinsehen ist das Leben voller transformativer Erfahrungen, die uns als Personen auf überraschende Weise verändern könnten.In ihrem international hochgelobten Buch zeigt L. A. Paul, dass es unmöglich ist, solche Entscheidungen rational zu treffen. Denn dafür müssen wir in der Lage sein, die Konsequenzen unserer Entscheidungen klar zu bewerten. Wenn aber Erfahrungen uns und unser Wertesystem auf ungeahnte Weise verändern können, dann wissen wir nicht, welchen Maßstab wir anlegen sollen. Transformative Erfahrungen scheinen daher den Rahmen der Rationalität zu sprengen. Wie sollen wir also dann mit transformativen Erfahrungen umgehen, die unser Leben einschneidend verändern können? Mit einem Vorwort von Sascha Benjamin Fink.