Das Macht- und Beziehungsgefüge der internationalen Beziehungen wird sich in den kommenden Jahrzehnten zugunsten der heutigen Entwicklungs- und Schwellenländer verändern. Die Zahl der in heute ärmeren Weltregionen lebenden Menschen wird bis zum Jahr 2050 auf 7,7 Milliarden anwachsen. Europa muss sich angesichts dieser Entwicklung auf einen relativen ökonomischen und (welt)politischen Bedeutungsverlust einstellen.Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, technologischer Fortschritt und ökonomische Globalisierung werden die gesellschaftlichen Strukturen des "Südens" zukunftsweisend verändern und das weltpolitische Gewicht Asiens, Afrikas und Lateinamerikas nachhaltig befördern.
Im Zentrum des Neuen Jahrbuchs Dritte Welt steht die Überprüfung und Einschätzung alter und neuer Mechanismen der Entwicklungsfinanzierung in der Dritten Welt. Dabei soll es nicht nur um die klassische Entwicklungshilfe, sondern vor allem auch um die Ro11e privater Direktinvestitionen, Steuern auf internationale Transaktionen (inkl. der sogenannten Tobin-Steuer) und kurzfristige Portfolioinvestitionen gehen. Als Probleme werden dabei die Stabilisierung dieser Transfers, die Verschuldung von Entwicklungsländern und neue Mechanismen zur Verbindung von Schuldenerlass und Armutsreduktion in Entwicklungsländern diskutiert.Zudem befasst sich der Band auch besonders mit Möglichkeiten zur Steigerung der lokalen Mittel (Steuern, private Ersparnisse) und zur Entwicklung der lokalen Kapitalmärkte.
Das Neue Jahrbuch Dritte Welt analysiert die Auswirkungen der Globalisierung auf wichtige Entwicklungsregionen und Sektoren in diesen Regionen sowie die Wahrnehmung dieser Vorgänge durch Regierungen und gesellschaftliche Gruppen in der Dritten Welt. Darüber hinaus wird untersucht, ob zwischen den Auswirkungen der Globalisierung auf den Süden und ihrer politischen Wahrnehmung eine Entsprechung besteht. Zweitens werden die Unterschiede in der Wahrnehmung der Globalisierungsvorgänge in einzelnen Regionen bzw. wichtigen Ländern der Dritten Welt (Lateinamerika, Afrika, Naher Osten, Südostasien, Indien, China) beleuchtet. Schließlich wird analysiert, wie die Herausforderung der Globalisierung im Einzelnen verarbeitet wird und welche Konsequenzen sie in Bezug auf Staatlichkeit und kulturelle Identität in Entwicklungsländern haben kann.