Ausgehend von Adornos paradigmatischem Satz „Bildung ist nichts anderes als Kultur nach der Seite ihrer subjektiven Aneignung“, untersucht dieser Band die Wechselwirkung zwischen Subjekt- und Kulturbildung. Analysiert wird, welchen manifesten und latenten Logiken die Diskurskarriere der Standardisierungssemantik und begleitende Leitbegriffe wie Kompetenz, Skills und Strategie folgt. Kritisch hinterfragt wird, welche paradigmatischen Modellvorstellungen wie Bildungsideale und -utopien, Lehr- und Lernkonzepte durch Bildungsstandards (re)produziert werden und welche Schließungstendenzen damit einhergehen. Reflexiv durchdrungen wird, wie sich der über Bildungsstandards implementierte kulturelle Zugriff auf das Subjekt auswirkt, dadurch aktiv aneignende Formen der Subjektkonstituierung nachhaltig verändert und das Soziale aushöhlt.
Die Publikation diskutiert Chancen und Gefahren des Wandels von Kindheit in postindustriellen westlichen Gesellschaften. Dem Trend zur Funktionalisierung, der sich gegenwärtig beispielsweise in Kompetenzorientierung und Biologisierung zeigt, wird ein Begriff von Kindheit gegenübergestellt, der auf ‘Früheres’ (Moratorium) produktiv Bezug nimmt, ohne in eine einseitige Kulturkritik zu münden. Erziehung und kindlicher Eigensinn, Vernunft und Sinnlichkeit bedürfen eines offenen Randes, um nicht simultan von den Funktionalismen der Arbeitswelt adaptiert zu werden. Die Publikation sammelt die Vorträge und Diskussionen einer Ringvorlesung, die im Wintersemester 2010/11 an der Fachhochschule Kärnten stattfand und diesen Wandel von Kindheit in Gestalt eines Theorie-Praxis-Diskurses reflektierte.