Aus dem Marchen vom Rotkappchen haben wir vor allem die Warnung vor dem unbekannten Fremden drauen im Wald in unsere kollektive Vorstellung ubernommen. Dabei haben sich Charles Perrault und die Bruder Grimm groe Muhe gegeben, im Text Hinweise wie Kieselsteine zu verstreuen, um uns auf den rechten Weg zu fuhren. Doch etwas in uns wehrte sich, eine kollektive Verleugnung, und so besiegelten wir die Fehlinterpretation und verschlossen die Turen unserer Hauser. Spulen wir also zuruck: Warum ist diese Gro mutter so verru ckt nach ihrer Enkelin? Warum verrat das Kind dem Wolf so bereitwillig deren Adresse? Und wer versteckt sich wirklich unter der Decke? Ein als Oma verkleideter Wolf echt jetzt?! Durch ein Netzwerk von Geschichten, in denen auf verschlungenen Waldwegen Sigmund Freud, Virginia Woolf, Neige Sinno und David Lynch auftauchen, seziert Lucile Novat das Marchen und ruckt ein wirkmachtiges Tabu ins Licht: Die grosste Gefahr fu r Kinder lauert im Haus, in der Familie. Im Anhang des Buches konnen sich die Leser*innen selbst durch einen Marchenplot spielen und erleben, wie es ist, nicht mehr aus dem Wald zu finden.