Im 19. und 20. Jahrhundert hat das protestantische Kirchenrecht substantielle Wandlungen erfahren. Daran partizipiert auch die Entwicklung der Kirchenverfassung in der Evangelischen Kirche Siebenbürgens, die zudem weitere, den deutschen Rahmen überschreitende Traditionen heranbildete. Beginnend mit den habsburgischen Konsistorialverfassungen über presbyterial-synodale Strukturen vor dem Hintergrund des österreichischen Protestantenpatents und Anpassungen an die staatspolitischen Systemwechsel Rumäniens reicht die hier vorgelegte kritische Edition bis hin zur neuen Kirchenordnung von 1997. Die Sammlung der wichtigsten Kirchenrechtsquellen der beiden vergangenen Jahrhunderte ermöglicht einen Vergleich sowohl mit der deutschen Konfessionsfamilie, aber auch mit den zeitgleichen Entwicklungen innerhalb der ungarisch- bzw. rumänischsprachigen, regionalspezifisch südosteuropäischen Überlieferungen.
Erstmals wird hier das komplexe rumänisch-orthodoxe Kirchenrecht in Übersetzung mit ausführlicher kirchengeschichtlicher Einleitung und umfangreicher Kommentierung ediert. Die Berücksichtigung des ursprünglich in deutscher Sprache erlassenen Kirchenrechts für die Bukowina stellt dabei eine Besonderheit dar. Der Band zeigt die unterschiedliche Rezeption kirchenrechtlicher Verhältnisse auch außerhalb der rumänisch-orthodoxen Tradition, wobei vor allem die im 19. Jahrhundert durch Andrei von Schaguna aufgenommenen westeuropäischen Einflüsse dargestellt werden.
Karl W. Schwarz untersucht die Rechtsgeschichte des österreichischen Protestantismus. Zentrales Thema ist das Verhältnis von Staat und Kirche in seinem geschichtlichen Wandel. Der Autor spannt einen Bogen vom 16. Jahrhundert über die Gegenreformation und die Epoche des Geheimprotestantismus zur josefinischen Toleranz und zur sukzessiven Emanzipation der "Akatholiken" im 19. Jahrhundert. Er thematisiert die Protestantenpolitik der Habsburger, etwa am Beispiel der strukturellen Kernfrage, ob der römisch-katholische Landesherr über die Evangelische Kirche A.u.H.B. in Österreich kirchenregimentliche Kompetenzen beanspruchen konnte. Die Beiträge widmen sich aber auch Kirchenrechtlichen Weichenstellungen in der NS-Ära und nach 1945. In Exkursen werden das konfessionelle Eherecht und die Rechtsstellung der "Freikirchen" in Österreich - sowie über den territorialen Rahmen hinausgreifend - Toleranz und Religionsfreiheit im Donau- und Karpatenraum erörtert. Eine Erinnerung an den Lehrer Albert Stein schließt den Band ab.